Stefan Oberndorfer, Neurologe: Forschergeist zum Quantensprung im Wissen

Porträt
Text: Klaus Wassermann

Im Alltag eines Klinikarztes spielt das Forschen oft eine Nebenrolle. Nicht so beim Neurologen Stefan Oberndorfer. Seit 2010 leitet er als Primar die Klinische Abteilung für Neurologie am Universitätsklinikum St. Pölten und als Associate Professor die Universitätsklinik für Neurologie der KL (abwechselnd mit dem Tullner Neurologen Walter Struhal). Schon während seines Medizinstudiums wollte Oberndorfer hinter den Vorhang der ärztlichen Heilkunst schauen: „Bei vielen Krankheitsbildern, die ich während des Studiums kennenlernte, waren mir die biologischen Vorgänge im Hintergrund einfach zu wenig klar, da wollte ich noch tiefer graben“, schildert er seine früh geweckte wissenschaftliche Neugier.

Obwohl für den Abschluss seines Medizinstudiums nicht zwingend nötig, schloss er an das Diplom als Dr. med. univ. noch eine wissenschaftliche Dissertation an. Dabei hatte es ihm der Fachbereich der Neurologie angetan, und dort das Thema Multiple Sklerose. Diese erste Forschungstätigkeit war für ihn sehr lehrreich, wie er sagt. „Ich konnte meine Expertise zum Thema MS vertiefen und die Grundlagen klinischer Forschungstätigkeit kennenlernen.“ Anschließend spezialisierte sich Oberndorfer im Gebiet Neuroonkologie weiter, das Gebiet, in dem er mit seiner Habilitation auch die akademische Lehrbefugnis erwarb.

Heute sind Oberndorfers Forschungsinteressen vielfältig. Für eine bessere Diagnose des Glioblastoms etwa, einer nur schwer behandelbaren Krebserkrankung von Gliazellen, erforscht er neue Methoden der Kombination von bildgebenden Verfahren wie etwa der Magnetresonanztomografie mit psychologischen Tests. „Wir entwickeln dafür gerade neuartige Auswertungsmethoden mit der Hilfe von künstlicher Intelligenz“, berichtet er aus seiner aktuellen Arbeit. Als Forschungsgebiet dazugesellt hat sich das Thema Schlaganfall. „Viele subtile Funktionen des Nervensystems, die nach einem Schlaganfall beeinträchtigt sein können, werden aktuell diagnostisch nicht erfasst. Dazu gehören Gedächtnis und motorische Fähigkeiten, aber auch Sprachstörungen“, weiß er. Auch hier erforscht Oberndorfer neuartige, deutlich präzisere Diagnosetechniken.

Mit der Gründung der KL im Jahr 2012 wurde Oberndorfers Abteilung zur Universitätsklinik. Teil einer Universität zu sein, habe große Vorteile, besonders für den Aufbau des forschendem Nachwuchses. „Mit einer Universität im Hintergrund können unsere jungen Forschenden neue Projekte in den Neurowissenschaften effizienter entwickeln und vorantreiben“, sagt er. „Auch fällt es mit eigener klinischer Forschung im universitären Rahmen leichter, eigenes Wissen und eigene Kompetenz aufzubauen“, ist Oberndorfer überzeugt.