Zwei aktuelle KL-Forschungspublikationen beleuchten Kontrolle von Emotionen

KL-Forschungsschwerpunkt Mental Health and Neuroscience
Text: Klaus Wassermann

Unterschiede der Geschlechter bei der Regulation von Emotionen
Emotionsregulation, also die Fähigkeit, sowohl die eigenen als auch die Gefühle von anderen Personen zu beeinflussen und zu kontrollieren, ist essenziell, um mit Stress umgehen zu können. Gloria Mittmann und Beate Schrank von der Arbeitsgruppe "D.O.T. – Die offene Tür" der KL präsentieren in ihrer Publikation deutliche Hinweise aus der Forschung dafür, dass dabei Unterschiede zwischen den Geschlechtern existieren: Männer neigen eher dazu, vermeidende oder ablenkende Strategien zu verwenden, während Frauen sich eher soziale Unterstützung suchen oder Situationen neu bewerten. Diese Geschlechtsunterschiede müssen jedoch immer im jeweiligen Kontext betrachtet werden, da es auch Wechselwirkungen zu anderen Faktoren wie Alter, Kultur oder psychischen Symptomen gibt. Auch der Unterschied zwischen biologischem Geschlecht und erlebter Geschlechtszugehörigkeit verdient daher in Zukunft mehr Aufmerksamkeit.

Originalpublikation:
Mittmann, G. & Schrank, B., 2021. Geschlechtsunterschiede bei der Emotionsregulation. Gender Dimorphism in Emotion Regulation. Psychologie in Österreich, 41(1), S.14-19.

Wie sich Kindheitstraumata auf Einfühlungsvermögen und Emotionsregulation auswirken
Kindheitstraumata erhöhen das Risiko für eine psychische Störung, weil sie die Entwicklung von psychosozialen Fähigkeiten behindern. Zwei dieser Fähigkeiten sind die Theory of Mind und die Emotionsregulation. Theory of Mind beschreibt die Fähigkeit, anderen Menschen wie auch sich selbst Gedanken, Absichten und Gefühle zuzuschreiben. Emotionsregulation ist die Fähigkeit, Emotionen zu kontrollieren oder sie gar zu verändern.

Ein Forschungsteam des Fachbereichs für Klinische Psychologie (Leitung: Univ.-Prof. Dr. Manuel Sprung) von der KL und des Universitätsklinikums Eggenburg (NÖ) (Leitung: Assoc.-Prof. Primarius Dr. Friedrich Riffer) untersuchte Patient_innen, die aufgrund einer Persönlichkeitsstörung im Universitätsklinikum für Psychosomatische Medizin Eggenburg behandelt wurden. Dabei zeigte sich, dass Patient_innen mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung im Vergleich mit Patient_innen mit anderen Persönlichkeitsstörungen spezifische Defizite in der Theory of Mind und Emotionsregulation aufweisen. Borderline-Patient_innen zeigten dabei Defizite der Theory of Mind in Form einer Hyper-Mentalisierung, also dem Überinterpretieren der Absichten anderer. Außerdem nutzten Borderline-Patient_innen zur Regulation ihrer Emotionen häufiger das Unterdrücken von Gefühlen und weniger häufig Neubewertungen.

Menschen mit Borderline-Störung neigen also dazu, verstärkt Absichten in das Verhalten anderer hineinzuinterpretieren. Resultierende Emotionen regulieren sie bevorzugt durch eine Änderung ihres Emotionsausdrucks. Die Befunde liefern eine hilfreiche Beschreibung der Borderline-Symptomatik und können in der Behandlung genutzt werden.

Diese Studie wurde mit finanzieller Unterstützung durch die Gesellschaft für Forschungsförderung Niederösterreich m.b.H. (GFF) und der VAMED AG unterstützt.

Originalpublikation:
Burghardt, J., Knopp, M., Gradl, S., Kaiser, E., Riffer, F. & Sprung, M., 2021. Auswirkungen von Kindheitstraumata auf Theory of Mind und Emotionsregulation bei PatientInnen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung. Effects of Childhood Trauma on Theory of Mind and Emotion Regulation in Patients with Borderline Personality Disorder. Psychologie in Österreich, 41(1), S.7-13.